GTAI Wirtschaftsbericht Türkei 2014

Gesamtwirtschaftlicher Ausblick

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts

Die türkische Wirtschaftskonjunktur hat sich 2014 gegenüber dem Vorjahr deutlich abgeschwächt. Die zum Jahresbeginn eingeführten geld- und kreditpolitischen Maßnahmen zur Dämpfung der Nachfrage wirken sich auf den Verbrauch und die Investitionen aus. Mit ihrer Hilfe sollten das Leistungsbilanzdefizit und die Inflation begrenzt werden.

Für 2014 erwartet die Regierung ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,3%, das 2015 auf 4,0% steigen soll. Internationale Beobachter sind weniger optimistisch. Die Europäische Kommission rechnet für 2014 mit einem BIP-Zuwachs in der Türkei von nur 2,8%. Für 2015 wird ein Plus von 3,3% vorausgesagt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für 2014 und 2015 ein Wachstum von jeweils 3,0%.

Während die Regierung in ihrem mittelfristigen Programm für 2016 von einem BIP-Wachstum von 5,0% ausgeht, sagt die Europäische Kommission ein Plus von nur 3,7% voraus. Wichtige indirekte Determinanten der Wirtschaftsentwicklung in den kommenden Monaten sind die für den Juni 2015 angesetzten Parlamentswahlen, die Geldpolitik der USA, die Konjunkturlage in der EU, die Entwicklung in den südöstlichen Nachbarländern Syrien und Irak sowie die des Ölpreises.

Nach dem Fünfjahresplan (2014 bis 2018) soll das türkische BIP von geschätzten 810 Mrd. US$ im Jahr 2014 bis 2018 auf 1.300 Mrd. $ erhöht werden. Die Arbeitslosigkeit wird demnach von 9,6% auf 7,0% sinken. Der Anteil des Leistungsbilanzdefizits am BIP soll von 5,7% auf 5,2% zurückgehen, die Jahresinflation von 9,0 auf 5,0% fallen.

Politische und wirtschaftliche Unwägbarkeiten erschweren die Erstellung zuverlässiger Prognosen. Die innenpolitischen Spannungen halten weiter an. Die Turbulenzen in den Nachbarländern Syrien und Irak werfen ihre Schatten auf die türkische Wirtschaft. Auch die schwache Konjunktur in der Eurozone wirkt sich ungünstig auf die türkische Exportwirtschaft aus.

Die relativ hohe Inflation schwächt die inländische Kaufkraft. Die Volatilität des Wechselkurses der Türkischen Lira gegenüber dem US-Dollar und dem Euro birgt für Unternehmen Währungsrisiken. Die Zentralbank steckt in ihrer Zinspolitik in einer Klemme. Während die Währungshüter unter starkem Druck der Regierung stehen, ihre Geldpolitik zu lockern, sprechen die hohe Inflation, die Währungsschwäche und das Leistungsbilanzdefizit eher für eine stabilitätsorientierte Geld- und Kreditpolitik. Die anstehenden Parlamentswahlen lassen trotz gegenteiliger Beteuerungen für die erste Jahreshälfte 2015 auf eine ausgabenfreudige Finanzpolitik schließen.

Durch die Abschwächung der Wachstumskräfte und der bestehenden Strukturprobleme erscheint es inzwischen fraglich, ob die ehrgeizigen Wirtschaftsziele für das Jahr 2023 mit einem geplanten BIP von 2.000 Mrd. $ und einem Exportwert von 500 Mrd. $ tatsächlich erreicht werden können. Die Türkei will bis dahin zu den zehn größten Volkswirtschaften der Welt aufsteigen. Die neue Regierung unter Ministerpräsident Ahmet Davutoglu plant tiefgreifende Strukturreformen, die durch gezielte staatliche Förderungen unterstützt werden sollen. Es geht vor allem um den Abbau der hohen Importabhängigkeit der Industrie und Energiewirtschaft. Technologieintensive und wertschöpfungsorientierte Projekte und Programme sollen vorangetrieben werden.

Investitionen

Die schwache Investitionskonjunktur im Privatsektor, die 2013 durch erhöhte Ausgaben im Staatssektor teilweise ausgeglichen werden konnte, hält an. Die gesamten Investitionen gingen im 1. Halbjahr 2014 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres real um 1,9% zurück (1. Quartal: -0,2%; 2. Quartal: -3,5%). Die staatlichen Investitionen, die im 1. Quartal 2014 noch um 7,2% zugelegt hatten, gingen im 2. Quartal um 0,9% zurück. Auffällig war dabei der starke Rückgang der staatlichen Maschinen- und Ausrüstungsbeschaffungen von 12,8% im 2. Quartal, sodass sich hier für das 1. Halbjahr ein reales Minus von 8,7% ergab.

Die staatlichen Bauinvestitionen stiegen wegen laufender Infrastrukturvorhaben im Verkehrsund Energiesektor im 1. Halbjahr 2014 um 4,5%. Mehrere Großprojekte befinden sich in der Durchführung und werden in den nächsten Jahren für rege Nachfrage nach Bauleistungen sorgen. Die Regierung rechnet in ihren mittelfristigen Prognosen für 2015 mit einem realen Anstieg der privaten Investitionen um 6,1%. Das Wachstum wird sich 2016 auf 9,3% und 2017 auf 10,9% beschleunigen.

Die ausländischen Direktinvestitionen in der Türkei stiegen nach Angaben des Wirtschaftsministeriums im Zeitraum Januar bis August 2014 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 9,8% auf 8.639 Mio. $. Investitionen in Immobilien legten um 64,7% auf 2.906 Mio. $ zu. Die übrigen Bereiche fielen um 6,0% auf 5.733 Mio. $. Deutsche Investitionen sanken im genannten Zeitvergleich besonders stark von 1.265 Mio. auf 319 Mio. $. Unter den per Ende August 2014 insgesamt in der Türkei registrierten 40.506 Firmen mit ausländischem Kapital befanden sich 5.949 Unternehmen mit deutscher Beteiligung.

 

Potenzielle Investoren und Unternehmen, die in die Türkei exportieren wollen, sollten bei ihrer Entscheidung über den Markteintritt das Stärken-Schwächen-Profil des Standorts und die damit verbunenen Chancen und Risiken (SWOT-Analyse) berücksichtigen:

Konsum

Die abgewertete türkische Währung, höhere Zinsen und die Anfang 2014 eingeführten Einschränkungen bei Verbraucherkrediten und Ratenzahlungen beeinträchtigen das Konsumklima. Die Schwäche der Türkischen Lira in Verbindung mit dem relativ geringen BIP-Wachstum und dem Bevölkerungszuwachs werden nach Schätzungen der Regierung 2014 zu einer Verminderung des Pro-Kopf-Einkommens auf US-Dollar-Basis auf 10.537 $ führen (2013: 10.807 $). Der private Konsum (Anteil von knapp 70% an der BIP-Verwendung) erhöhte sich im 1. Halbjahr 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum real um 1,8%. Dabei wurde im 2. Quartal 2014 nur noch ein Wachstum von 0,4% (1. Quartal: +3,2%) ausgewiesen. Der Staatsverbrauch (Anteil an der BIP-Verwendung von rund 10%) legte im 1. Halbjahr 2014 um 5,6% zu. Nach Prognosen der Regierung werden der private Konsum 2015 um 4,0% und der Staatsverbrauch um 2,2% zunehmen.

In der mittelfristigen Betrachtung steht jedoch der Konsum der privaten Haushalte unter guten Vorzeichen. Die junge Bevölkerung mit einem Altersdurchschnitt von 29 Jahren ist gegenüber neuen und innovativen Produkten besonders aufgeschlossen. Dies gilt auch für moderne Technologien und Anwendungen. Der Nachholbedarf ist allgemein groß. Vor allem aus den städtischen Konsumzentren kommen bedeutende Impulse.

 

Außenhandel

Die türkischen Exporte nahmen nach Angaben des Statistikamtes TÜIK in den ersten drei Quartalen 2014 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 5,5% auf 118,5 Mrd. $ zu. Trotz der indirekten Förderung infolge der Währungsabwertung blieb der Exportzuwachs unter den Erwartungen. Die Ausfuhren nach Deutschland stiegen um 14,4% und damit stärker als die Gesamtexporte. Größte türkische Exportbranche war die Automobil- und Zulieferindustrie. Ihre Ausfuhren stiegen um 9,4% auf 13,6 Mrd. $.

Die türkischen Importe gingen in den ersten drei Quartalen 2014 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 4,2% auf 179,7 Mrd. $ zurück. Das Handelsbilanzdefizit verringerte sich damit um 18,8% auf 61,1 Mrd. $. Etwa 73,3% der Einfuhren bestanden aus Rohstoffen, Energieträgern und industriellen Halbwaren. Größter Importposten waren mineralische Öle und Brennstoffe (HS-Kapitel 27). Die Einfuhren aus Deutschland sanken um 7,2% auf 16,5 Mrd. $. Deutschland war nach Russland und der VR China drittgrößtes Lieferland.

Das strukturelle Defizit in der Handels- und Leistungsbilanz bleibt wegen der hohen Importabhängigkeit der Industrie weiterhin groß. Technologieprodukte mit hoher Wertschöpfung und Energieträgern müssen in erster Linie importiert werden. Der hohe Fehlbetrag in der Leistungsbilanz, dessen Anteil am BIP für 2013 mit 7,9% angegeben wurde, wird nach Schätzungen der Regierung 2014 auf 5,7% und 2015 auf 5,4% zurückgehen. Durch den Rückgang des Ölpreises sank das Leistungsbilanzdefizit in den ersten drei Quartalen 2014 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 37,2% auf 30,9 Mrd. $.

Branchen im Überblick


Der kalenderbereinigte Produktionsindex der verarbeitenden Industrie stieg nach Angaben von TÜIK in den ersten drei Quartalen 2014 im Durchschnitt um 3,6%. Unter Mitberücksichtigung anderer Industriebereiche wie Bergbau, Energie und Versorgungswirtschaft ergibt sich ein Zuwachs von 4,1%. Staatliche Investitionsförderung erhalten wertschöpfungsorientierte Projekte und strategisch wichtige Großvorhaben. Gefördert werden vor allem Industriezweige bei denen die Importabhängigkeit groß ist. Damit soll die Strukturschwäche der Industrie mittelfristig behoben, die Leistungsbilanz entlastet und die Voraussetzungen für ein stetiges Wachstum verbessert werden. 

Maschinen- und Anlagenbau

Der kalenderbereinigte Produktionsindex erhöhte sich in den ersten drei Quartalen 2014 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um durchschnittlich 5,4% (Gesamtjahr 2013: 8,0%). Das Umsatzwachstum 2014 wird auf rund 5% geschätzt. Der Maschinenbau gehört zu den dynamischsten Industriezweigen in der Türkei. Die Ausweitung der Produktionskapazitäten in der Automobil-, Elektro- oder Kunststoffindustrie führen zu einer stetig wachsenden Nachfrage nach Maschinen und Anlagen. Etwa zwei Drittel davon werden aus dem Ausland eingeführt. Deutschland ist der wichtigste Lieferant. Die Regierung fördert den Ausbau der lokalen Maschinenfertigung um die inländische Wertschöpfung und die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu erhöhen.

Kfz-Industrie

Die Kfz-Industrie litt 2014 unter der abgeschwächten Inlandsnachfrage. Der Fahrzeugabsatz ging in den ersten zehn Monaten 2014 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 16% auf 570.000 zurück. Auch die Importe sanken um 19% auf 376.000 Fahrzeuge. Durch die um 6% gestiegenen Exporte auf 723.000 Stück konnte ein gewisser Ausgleich erzielt werden. Ein leichtes Produktionswachstum von 1% auf 937.000 Fahrzeuge konnte erreicht werden. Die Kfz-Herstellung entwickelte sich in den einzelnen Sparten unterschiedlich. Die Pkw-Produktion legte in den ersten zehn Monaten 2014 um 15% zu. Die Nfz-Fertigung ging um 17% zurück. In der Kfz-Industrie erhalten Firmen, die in die Fertigung von hochwertigen Teilen und Komponenten investieren, staatliche Förderungen. 

Chemie

Der kalenderbereinigte Produktionsindex der chemische Industrie stieg in den ersten drei Quartalen 2014 um durchschnittlich 5,7%. Im Jahresverlauf war eine deutlich abnehmende Wachstumsdynamik zu beobachten. Die Umsätze der Chemiebranche wachsen jährlich um circa 4%. Großer Investitionsbedarf besteht vor allem bei petrochemischen Grundstoffen. Sie werden bei der Kunststoffherstellung eingesetzt. Mehrere Projekte werden durchgeführt, um die Versorgung zu verbessern und die hohe Importabhängigkeit zu verringern. Im Mittelpunkt der Investitionsprogramme steht der Petrochemiekonzern Petkim, der seine Kapazitäten ausbaut und modernisiert.

Bauwirtschaft

Die Baukonjunktur hat sich deutlich abgeschwächt. Die Nachfrage nach Bauleistungen 2014 stieg spürbar langsamer als im Vorjahr. Das Wachstum ging im 1. Halbjahr 2014 auf 3,8% zurück. Betroffen von dieser Entwicklung ist vor allem der Wohnungsbau. Demgegenüber lösen die von der Regierung vorangetriebenen großen Infrastrukturprojekte im Verkehrs- und Energiesektor weiterhin erheblichen Bedarf an Baumaßnahmen, Baustoffen und Ausrüstungen aus. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Die meisten Großvorhaben laufen über längere Zeiträume und werden in mehreren Etappen verwirklicht. Für das Gesamtjahr 2014 rechnen Analysten mit einem realen Wachstum im Baugewerbe zwischen 3,5 und 4,5%. Auch in den kommenden Jahren dürfte sich dieses in dieser Größenordnung fortsetzen.

Elektrotechnik/Elektronik

Die Fertigung projektbezogener elektrischer Anlagen und Ausrüstungen erlitt in den ersten drei Quartalen 2014 einen durchschnittlichen Rückgang von 0,8%. Der kalenderbereinigte Produktionsindex der Branche hatte laut TÜIK 2013 ein Wachstum von 9,8% verzeichnet. Demgegenüber meldet der Verband der kleinen elektrischen Hausgeräte KESID steigende Umsätze und zunehmenden Absatz. Mit der steigenden Zahl der privaten Haushalte wächst der Bedarf an verschiedenen Haus- beziehungsweise Küchengeräten. Für diese Sparte bestehen allgemein optimistische Marktprognosen. Davon profitieren auch die Importe. Aufgrund der positiven Erwartungen investieren lokale Hersteller in den Ausbau der Produktion und der Vertriebsnetze.

Informations- und Kommunikationstechnik (IKT)

Der Umsatz im IKT-Sektor, der laut Fachverband TÜBISAD 61,6 Mrd. TL (umgerechnet 22,1 Mrd. Euro; 1 Euro = 2,79 TL) erreichte, wird 2014 um etwa 10% zunehmen. Die Investitionen im Kommunikationssektor betreffen vor allem die Projekte der Mobilfunkbetreiber und der Ausbau des Glasfasernetzes. Letzteres stellt die grundlegende Infrastruktur für das Breitbandinternet dar. Es wird zügig ausgebaut. Die Länge des Glasfasernetzes erreichte Mitte 2014 insgesamt 235.509 km. Der Festnetzbetreiber Türk Telekom und die drei großen Mobiltelefonbetreiber Turkcell, Vodafone und Avea investieren weiter in den Ausbau und die Verbesserung ihrer Netze. Die zweitgrößte Mobilfunkgesellschaft Vodafone mit 20,4 Mio. Kunden will in den nächsten zwei Jahren zur Steigerung der Leistungsqualität 2 Mrd. TL investieren. Angestrebt werden vor allem Leistungssteigerungen beim mobilen Internet durch den Einsatz von 4G-Technologien.

Umwelttechnik

Im Umweltsektor besteht ein immenser Nachholbedarf. Umfangreiche Investitionen werden benötigt. Daraus ergeben sich vielfältige Zulieferchancen. Striktere gesetzliche Vorschriften und behördliche Kontrollen gewinnen bei Projekten für die industrielle Abwasserentsorgung zunehmend an Bedeutung. Kommunale Gebietskörperschaften, öffentliche Unternehmen und Privatfirmen führen Projekte für die Abwasser- und Abfallentsorgung durch. Dafür werden umfangreiche Planungs- und Beratungsdienste sowie Ausrüstungen benötigt. Eine Reihe von Projekten erhält staatliche Förderung und wird teilweise international (EU, Weltbank) mitfinanziert. Industrielle Recyclingprojekte gewinnen an Bedeutung, die ebenso von der Regierung gefördert werden. Das Umweltministerium erwartet in diesem Bereich in den kommenden Jahren Investitionen von rund 8 Mrd. Euro.

Medizintechnik

Die zahlreichen staatlich geförderten Projekte zum Bau, zur Erweiterung und Modernisierung von Krankenhäusern und Kliniken lösen hohen Bedarf an medizinisch-technischen Geräten, Apparaten und Instrumenten aus. Im Rahmen des PPP-Modells (Public Private Partnership) entstehen in mehreren Städten neue Krankenhäuser, die ausgestattet werden müssen. Der Markt für Medizintechnik wächst jährlich um 10 bis 15% und wird 2015 voraussichtlich ein Volumen von rund 4 Mrd. $ erreichen. Etwa drei Viertel des Umsatzes wird mit importierten Produkten gemacht. Vor allem Hightechgeräte werden im Ausland beschafft. Das zunehmende Gesundheitsbewusstsein und die Verbesserung der staatlichen Gesundheitsdienste begünstigen die Entwicklung des Marktes. Immer mehr Bevölkerungsschichten kommen in den Genuss medizinischer Behandlungen.

Energietechnik

Aufgrund des Ausbaus industrieller Kapazitäten und des steigenden Verbrauchs der privaten Haushalte nimmt die Stromnachfrage stetig zu. Nach Prognosen des Energieministeriums wird die Elektrizitätsnachfrage im Zeitraum 2014 bis 2023 um 5,6% pro Jahr zunehmen. Zur Deckung des steigenden Bedarfs müssen die Kraftwerkskapazitäten von zurzeit 69.000 MW bis zum Jahr 2023 auf rund 100.000 MW erhöht werden. Der Investitionsbedarf dafür beläuft sich auf insgesamt 130 Mrd. $. Der Energiesektor befindet sich hinsichtlich der eingesetzten Energieträger in einem bedeutenden Strukturwandel. Bei der Diversifizierung der Stromproduktion geht es um den verstärkten Einsatz von lokal verfügbaren und erneuerbaren Energiequellen sowie die Verbesserung der Energieeffizienz in den Betrieben und Haushalten.

Nahrungsmittel

Die Lebensmittelindustrie, deren kalenderbereinigter Produktionsindex hat laut TÜIK in den ersten drei Quartalen 2014 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um durchschnittlich 5,7% zugelegt. Mit mehr als 400.000 Beschäftigten ist sie eine der dynamischsten Industriezweige des Landes. Die große Vielfalt von lokal erzeugten Agrarprodukten, wie Obst, Gemüse, Getreidesorten, Hülsenfrüchte und Ölfrüchte, bilden eine gute Grundlage. Ein enormes Wachstumspotenzial besteht für die Produktion und den Export von verarbeiteten Lebensmitteln. Qualitäts- und Verpackungsaspekte gewinnen infolge des steigenden Verbraucherbewusstseins und der raschen Verbreitung moderner Super- und Hypermärkte zusehends an Bedeutung. Neue Investitionen in fortgeschrittene Technologien werden benötigt. Sie müssen größtenteils importiert werden.

Tourismus

Der Tourismus erfreut sich weiter guter Konjunktur und bleibt ein wichtiger Devisenbringer. Nach Angaben des Statistikamtes TÜIK erhöhte sich die Zahl der Besucher (einschließlich der im Ausland lebenden Türken) in den ersten drei Quartalen 2014 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 6,4% auf 33,1 Mio. Die Tourismuseinnahmen stiegen laut TÜIK im genannten Zeitvergleich um 8,6% auf 26,6 Mrd. $. Die Einnahmen werden 2014 voraussichtlich mehr als 34,0 Mrd. $ betragen. Bis 2025 werden Einnahmen von 100 Mrd. $ angestrebt. Zahlreiche Hotelprojekte für den Ferien- und Konferenztourismus befinden sich im Aufbau und in der Planung. Ein großer Bedarf an Hotelausstattungen besteht.