Wirtschaftsbericht Deutschland 2010

Müsste man das deutsche Wirtschaftsjahr 2010 in einem Wort beschreiben, so würde eben diesem das Wort ‘’Erholung’’ gerecht werden. Viele Bereiche erlebten nach dem Krisenjahr erneuten Aufschwung. Während das Bruttoinlandsprodukt noch im Vorjahr um historische 4,7% eingebrochen war, konnte man bereits im Frühjahr 2010 einen Aufwärtstrend spüren. Das Resultat dieser Erholung zeigt sich deutlich mit Blick auf das Bruttoinlandsprodukt, dass einen Anstieg um 3,6% verzeichnet hat. Die Staatsquote konnte im Vergleich zum Vorjahr von 47,5% auf 46,6% gesenkt werden.
Insgesamt trugen rund 40,5 Millionen Erwerbstätige, 0,5% mehr als noch in 2009, zu dieser positiven Wirtschaftsleistung bei. Tiefergehend betrachtet, erhöhte sich die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden um 2% gegenüber dem Vorjahr. Dank dieser Entwicklung konnte erneut an die tarifvertraglich geregelten Wochenarbeitsstunden angeknüpft werden. Erwähnenswert ist auch der Rückgang der Unternehmerinsolvenzen. Diese hatten im Krisenjahr 2009 erstmals seit 2003 wieder zugenommen. Die deutschen Amtsgerichte verzeichneten 2010 31.998 Insolvenzen und damit 2,1% weniger als im Vorjahr.1)
Wichtigste Antriebskraft des Wirtschaftsaufschwungs war der starke Export. Dabei hat sich der Außenhandel im Gegensatz zum Vorjahr erholt. Die Exporte stiegen um 14,2%. Bei den Importen steht auch in diesem Jahr ‘’Made in Germany’’ für außerordentliche Qualität, deren Beweis sich in den erzielten Exportüberschüssen widerspiegelt. Allein in den Monaten Juli bis September 2010 wurde ein Warenwert von mehr als 244,9 Milliarden Euro aus Deutschland ausgeführt.3)
Auch die benachbarten EU Länder sind sich der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bewusst, jedoch erhält Deutschland nicht von jedem EU - Mitgliedsstaat positive Resonanz. Teilweise stoßen die hohen Exportüberschüsse sogar auf heftige Kritik und sorgen nicht minder für Unruhen innerhalb der Mitgliedsstaaten. Insbesondere Frankreich übte jüngst heftige Kritik aus. Demzufolge beruhen die hohen Exportüberschüsse lediglich auf geringen Lohnerhöhungen.4)
Nichtsdestotrotz macht sich die qualitativ hochwertige Produktionsphilosophie Deutschlands auch in den Importzahlen bemerkbar. Durch die starke Wettbewerbsfähigkeit hat das Land an Importkraft dazu gewonnen. Der nach Deutschland eingeführte Warenwert lag im dritten Quartal bei rund 205,5 Milliarden Euro und somit um rund 24,2% mehr als im Jahr zuvor. Dabei stammen rund 56% der Einfuhren, also 114,8 Milliarden Euro und somit 22,5% mehr als noch im Vorjahr, aus den EU-Mitgliedsstaaten.
Eine weitere positive Entwicklung stellt vor allem die Vertiefung der Außenhandelsbeziehung zum ungeschlagenen Exportweltmeister China dar. Laut Schätzung der Unicredit stiegen die deutschen Einfuhren mit China um rund 40%. Dies belegt auch das statistische Bundesamt, wonach Waren im Wert von rund 20,7 Milliarden aus China importiert wurden. Besonders Datenverarbeitungs- und Elektrogeräte sowie Maschinen waren die beliebtesten Konsumgüter aus Fernost. Auch in Zukunft werden deutsche Konsumenten mehr und mehr Produkte insbesondere aus den anspruchsvolleren Kategorien wie zum Beispiel aus der Automobilbranche für sich in Anspruch nehmen. Die positive Kehrseite der Medaille wird darin zu sehen sein, dass auch China sich weiterhin als wichtigster Abnehmer für deutsche Produkte zeigen wird.
Deutsch-Türkische Beziehungen
Die Wirtschaftsbeziehungen zur Türkei wurden auch in diesem Jahr erneut verstärkt. Diese Erfolgsgeschichte wird zwar oft durch das schwierige Unterfangen EU-Beitritt und der Visapflicht für türkische Staats angehörige strapaziert, der wirtschaftlichen Beziehung hat das jedoch nicht geschadet. Mit aktuell 4.335 deutschen Unternehmen in der Türkei, Tendenz konstant steigend, nimmt Deutschland in puncto ausländischer Direktinvestitionen seit Jahren einen Spitzenplatz in der Türkei ein. Noch vor zehn Jahren waren das keine 500. Es herrscht eine rege Goldgräberstimmung in diesem Land.
Insbesondere ist die IT- und Telekommunikationsbranche an einer stärkeren Verbindung zur Türkei interessiert. Das Beschäftigungspotenzial der Türkei sei treibende Kraft für diese Zusammenarbeit. Die Kompetenz und Kreativität der türkischen Unternehmen sind dabei notwendige Eigenschaften für solch eine Kooperation.
Was die Türkei auch interessant macht ist, neben der hervorragen den Lage für Export in weitere Länder des nahen und mittleren Ostens, die stetig wachsende junge Bevölkerung. Derzeit leben 73,7 Millionen Menschen in der Türkei; das Durchschnittsalter liegt bei 28 Jahren – im Vergleich zu Deutschland wo das Durchschnittsalter bei 40 Jahren liegt. Zudem wächst die Zahl der Hochschulabsolventen in der Türkei stetig und beschert dem jungen Land somit qualifizierte Fachkräfte. Auch suchen immer mehr junge, gut ausgebildete Deutsch-Türken ihr Glück in dem Land ihrer Vorfahren.
1) Vgl. www.destatis.de; Vgl. www.bmwi.de.
2) Vgl. www.destatis.de; Vgl. www.bmwi.de.
3) Vgl. www.destatis.de.
4) Christine Legarde, Frankreichs Finanzministerin.
5) Vgl. www.destatis.de.






