Wirtschaftschronik Türkei 2007
Der folgende Abschnitt gibt einen kleinen Einblick in die wirtschaftlichen Ereignisse in der Türkei im Jahr 2007.
EU-Fördergelder in Höhe von 600 Mio. Euro sollen in den Jahren ab 2007 hauptsächlich für Verkehrs- und Umweltprojekte in den Provinzen Malatya, Elazig, Erzurum, Van, Gaziantep, Diyarbakır, Şanlıurfa, Samsun, Trabzon, Konya, Kayseri und Sivas verwendet werden.
In den vier Jahren vor 2007 entstanden in der Türkei 28 neue Industriegebiete. Im Vergleich dazu waren es von 1969 bis 2002 nur 65.
Laut der türkischen Finanzmarktaufsichtsbehörde SPK erfüllen die so genannten "grünen Holdings" Ittifak Holding, Kombassan, Sayha, Yimpas Gida, Yimpas Holding, Yimpas İhtiyaç Maddeleri, 21. Yüzyil Büyük Anadolu und Kübras die Bedingungen für eine Listung an der Börse.
Die Zahl der Fahrzeuge in der Türkei ist innerhalb eines Jahres um fast 1,2 Mio. auf 12,3 Mio. ge-stiegen, darunter 6,2 Mio. Pkw, 359.000 Minibusse, 1,7 Mio. Kleintransporter und 1,8 Mio. Motorräder. Im Dezember 2007 wurden aber nur 67.000 Neu-fahrzeuge zugelassen. Ein Rückgang um 19,7% im Vergleich zum Vorjahr. Die nachlassende Nachfrage aus der Türkei kann durch steigende Exporte nur knapp gedeckt werden.
Die im Februar neu eröffnete Türkische Agentur zur Förderung und Unterstützung von Investitionen (www.investinturkey.gov.tr) setzt sich zum Ziel, das Volumen der ausländischen Direktinvestitionen auf mindestens 20 Mrd. Dollar pro Jahr anzuheben.
Im Land ist ein Wandel im Einzelhandel festzustellen. Super- und Hypermärkte nehmen stark zu, während die Zahl der kleineren Geschäfte rückläufig ist. 2007 werden in der Türkei 80% der in betriebliche Immobilien ausgegebenen Gelder (3-4 Milliarden Euro) in Einkaufszentren investiert. Anfang des Jahres 2007 gibt es bereits mehr als 100 Filialen von Starbucks, Coffee & Chocolate, Johns, Schiller, Tchibo und Illy. Dieser Markt soll weiter wachsen.
Auf der Basis des neuen Mortgage-Gesetzes können Banken seit Februar 2007 auch Leasing- und Verbraucherfinan-zierungsgesellschaften Wohnungsfinanzierungen anbieten. Regelmäßig sollen 25 % Eigenkapital genügen, der Rest kann als Hypothek aufgenommen werden.
Vestel eröffnet in Manisa fünf neue Fabriken. In Europa hat Vestel auf dem Markt für Fernsehgeräte einen Anteil von 30 %, bei Küchengeräten sind es 11 %. Die Produktion der Vestel City-Fabriken beträgt bislang 35,2 Mio. Geräte pro Jahr.
Einer Umfrage in Istanbul aus März 2007 zufolge, sind 32,7 % der Befragten der Meinung, dass die Korruption gestiegen sei. 20,4 % glauben, sie sei gesunken. Gleichzeitig konnten sich die öffentlichen Einnahmen durch das angebliche Eindämmen der Korruption um 10,2 Mrd. YTL erhöhen.
Jean-Francois Bernardin, Vorsitzender der Verei-nigung der Französischen Handels- und Industrie-kammern (ACFCI), schlägt im März 2007 vor, eine Französisch - Türkische Mittelmeer-Union zu errichten. So würden sich die noch fremden Geschäftswelten annähern und sich die Wirtschaftsbeziehung verbessern. Diese Mittelmeerunion wird im späteren Verlauf des Jahres durch den neu gewählten französischen Staatspräsidenten Sarkozy als Alternative zur Vollmitgliedschaft der Türkei propagiert.
Um Zeitverluste zu minimieren, ist eine Alternativroute für LKW's im Gespräch, die von der Türkei nach Europa über das Schwarze Meer, die Ukraine und Weißrussland nach Litauen führen soll. Von Litauen aus könnte der LKW-Transport dann per Fähre in die übrigen europäischen Länder abgewickelt werden. Der Bau der transkontinentalen Schienentrasse in Georgien hat 2007 begonnen. Die Fertigstellung des Baus der Strecke Kars - Ahilkelek ist für 2010 vorgesehen. Die Strecke ermöglicht eine ununterbrochene Bahnverbindung zwischen London über die Türkei nach Shanghai.
Ein zentral in Istanbul gelegenes und im Staatsbesitz befindliches Gelände bei Levent wird für 800 Mio. Dollar von der Zorlu-Gruppe erstei-gert.
Die Türkei ist das Partnerland der Hannover Messe im Jahr 2007. 270 türkische Firmen nehmen an der Messe teil. In der Türkei wurde mit der Messe die Erwartung verknüpft, “einen Wendepunkt für das Image der Türkei” zu erreichen.
Die Armutsgrenze liegt bei 2.056 YTL. Eine vierköpfige Familie gibt monatlich 631 YTL für Ernährung aus. Arbeiter, die Mindestlohn erhalten, arbei-ten für 1 kg Brot eine Stunde, für 1 kg Fleisch einen Tag. Im Jahreszeitraum sind die Ernährungsausgaben 12,37 % höher als im Vorjahr.
Das Türkeiportfolio der ausländischen Investoren beträgt 76 Mrd. USD (März 2007). Die Ersparnisse der im Inland Ansässigen in Fremdwährung stie-gen auf mehr als 88 Mrd. USD.
Die erste Runde der Staatspräsidentenwahlen im April wird aufgrund der fehlenden Abstimmungsmehrheit im Parlament für ungültig erklärt. Das Parlament tritt im Mai zum zweiten Mal zur Staatspräsidentenwahl zusammen. Da das Anwesenheitsquo-rum von 367 nicht erreicht ist, findet die Wahl nicht statt. Daraufhin werden die für Herbst vorgesehenen Parlamentswahlen auf Juli vorgezogen. Endgültiges Datum ist der 22. Juli. Im Ergebnis kommt die AKP (Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung) erneut allein an die Regierung. Die AKP lag schon bei fast allen Umfragen vorn, trotzdem ist der Wahlerfolg mit 46% überraschend gut. 340 der 550 Parlamentssitze erhält die AKP, die sozialdemokratische CHP erhält mit 20% der Wählerstimmen 112 Sitze, gefolgt von den national-konservativen MHP mit 71 Sitzen (14% der Stimmen). Außerdem zie-hen 27 Unabhängige ins Parlament ein. Dass die islamisch orientierte AKP allein an der Regierung ist, wird von den lai-zistisch orientierten Bevölkerungsteilen mit Besorgnis gesehen.
Abdullah Gül, der ehemalige Außenminister der Türkei und Kandidat für das Staatspräsidentenamt aus April und Mai 2007, dessen Wahl zum Staatspräsidenten zu den vorgezogenen Parlamentswahlen führte, wird im August zum 11. Staatspräsidenten der Türkischen Republik gewählt. Die oppositionelle sozialdemokratische CHP (Republikanische Volkspartei) boykottiert die Wahl, dennoch reichten in der dritten Wahlrunde 339 der Stimmen der Parlamentsabgeordneten zum Sieg.
Nachdem 2006 je 100 Lira Einnahmen aus dem Verkauf von Immobilien an Ausländer nur 60 Lira deklariert wurden, werden 2007 verstärkte Kontrollen bei Immobilien verkäufen an Ausländer durchgeführt.
In Istanbul soll der öffentliche Personennahverkehr verbessert werden, dies soll durch neue Transferzentren und ein ausgeweitetes Schienennetz - komplett privat finanziert und betrieben - erreicht werden.
Das im Mai neu abgeschlossene russische Energieabkommen über Pipelineprojekte mit Turkmenistan und Kasachstan und das Pipelineprojekt über Bulgarien und Griechenland, stellt eine zunehmende Konkurrenz zum transkaukasischen Pipelineprojekt über die Türkei dar.
Der Mehrwertsteuersatz auf einige Nahrungsmittelgruppen sowie touristische Leistungen sinkt von 18 % auf 8 %. Die Senkung tritt am 1. Juni in Kraft. Im ersten Halbjahr stammen 45% (22,1 Mrd. YTL) des gesamten Steueraufkommens der Türkei aus Istanbul und damit 8,4 % Punkte mehr als im Vorjahreszeitraum.
Istanbul ist Modezentrum der Türkei. Daran soll sich nichts ändern, aber die Produktion der Bekleidungsindustrie soll komplett aus Istanbul verlagert werden, wo nur die Forschung und Entwicklung verbleiben sollen.
Starkes ausländisches Interesse entsteht am Versicherungsmarkt und dessen grossem Wachstumspotential. Noch liegen die Pro-Kopf-Versicherungsausgaben bei 90 Dollar pro Jahr, während sie in anderen Ländern im Vergleich dazu bei 2.500 Dollar liegen.
Ab dem 15. Juni können Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung sämtliche vertragsgebundene private Gesundheitseinrichtungen direkt, d.h. auch ohne besondere Überweisung, aufsuchen und sich dort behandeln lassen.
Die Türkei gibt mit 0,67 % des Bruttoinlandsprodukts mehr als acht EU-Mitgliedsländer für Forschung und Entwicklung (F&E) aus. An der Spitze liegt Schweden mit 3,86 % .
Öger Türk Tur beginnt wöchentliche Direktflüge zwischen Stuttgart und Sivas. Später im Jahr geben die türkischen Charter-Gesellschaften Onur Air und Pegasus bekannt, dass sie in Zukunft sowohl auf dem Inlands- wie dem Auslandsmarkt kooperieren werden.
Am 22. und 23. Juni findet in Istanbul der dritte deutsch-türkische Wirtschaftskongress statt. An dem von der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer (Köln) in Kooperation mit der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer (Istanbul) veranstalteten Kongress nehmen der Minister für Industrie und Handel Ali Coskun und der frühere Staatspräsidenten Süleyman Demirel teil.
Über den Sommer sind große Teile von Ankara längere Zeit ohne Wasserversorgung. In Istanbul drohen Wassersperrungen, es besteht 12,7 Mrd. Euro Investitionsbedarf bei der Trinkwasserversorgung im Zeitraum 2007 bis 2023. Die große Wasserknappheit führt zu massiven Ernteeinbrüchen und durch die Angebotsknappheit zu Preissteigerungen. Die geringe Wirtschaftsleistung der Landwirtschaft hat auch Einfluss auf das Abschwächen der wirtschaftli-chen Entwicklung.
Im Juli wird gemeldet, dass der staatliche Stromkonzern Tedaş sehr hoch verschuldet sei. Außerdem sind für den Ausbau der Kraftwerkskapazität mit Investitionen in der nächsten Zeit von drei Milliarden Dollar zu rechnen. Aufgrund des drastisch ansteigenden Verbrauchs und der zunehmenden Wasserknappheit muss mit Versorgungsengpässen auch bei der Elektrizitätserzeugung gerechnet werden.
Im Dezember werden die Strompreise für Privathaushalte um 15 % und für gewerbliche Kunden um 10 % angehoben.
Die Steuern für Tabakprodukte werden mit dem Ziel, den Konsum einzudämmen, erneut erhöht.
Im ersten Jahr fließen 164 Mio. Barrel Erdöl durch die Baku-Tiflis-Ceyhan Erdölpipeline und werden auf 201 Tanker geladen. Die Türkei verdient dabei 750 Mio. USD.
Neben der Çalık-Indian Gruppe, erhält Petrol Ofisi und Socar-Turcas die Genehmigung für geplante Raffinerieprojekte in Ceyhan (Adana).
Die Türkei unterzeichnet Ende 2007 trotz Warnungen der USA ein Stromabkommen mit dem Iran. Der Minister für Energie und natürliche Ressourcen der Türkei plant des Weiteren ein Abkommen über Erdgasförderung und -transport.
Im August begann der Bau des Ilisu-Staudamms als Teil des GAP-Staudammprogramms. Er soll jährlich 3,8 Mrd. Kilowattstunden Strom erzeugen. Umweltschützer sind gegen das Projekt, weil Ruinen des historischen Hasankeyf verlegt werden müssten.
Im September unterzeichnen die Türkei, Jorda-nien, Tunesien, die Vereinigten Emirate und Guinea das Handelsabkommen islamischer Länder und beschließen den Abbau von Zollschranken ab 2009 mit dem Ziel einer stärkeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit.
Ein weiteres grosses Einkaufszentrum in Istanbul, der Istinye-Park, mit einer Einkaufsfläche von 87.000 Quadratmetern, 300 Geschäften, Restau-rants, Sportanlagen und Kinos wird Anfang September eröffnet.
Die Militärausgaben der Türkei liegen bei durchschnittlich 9,9 Mrd. USD pro Jahr. Damit ist die Türkei in Europa an fünfter Stelle. Im Vergleich mit dem Mittleren Osten liegt die Türkei an vierter Stelle. Dort gibt der Iran am meisten für sein Militär aus, gefolgt von Saudi Arabien und Israel.
Das belgische Unternehmen Godiva (Schokoladenproduktion) wird für 850 Mio. USD an Ülker verkauft. Ülker erweitert durch die Übernahme sein Absatzgebiet und erreicht so ein neues Kundensegment.
Einer Studie aus November 2007 zufolge besitzen einige wenige Personen einen sehr großen Teil des gesamten Produktivvermögens. Der Studie nach sollen 3,4 % der Bankkunden über 90 % der Bankguthaben der Türkei verfügen.
29,46 % der Bevölkerung benutzen Computer, 26,67 % sind Internetnutzer.




